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Herzlich willkommen in den evangelischen Kirchengemeinden Asch und Sonderbuch!

Auf diesen Internetseiten finden Sie alle wichtigen Informationen und allerhand Wissenswertes über unsere beiden Gemeinden. Wir haben Ansprechpartner, Gottesdienstzeiten, unsere Angebote und natürlich auch aktuelle Neuigkeiten für Sie zusammengestellt.

Unsere beiden Kirchengemeinden gehören zum Kirchenbezirk Blaubeuren - schön gelegen auf den Alb gleich oberhalb von Blaubeuren.

 



 

 

Geschichte wird lebendig!

Das Findbuch für das Pfarrarchiv der Kirchengemeinde Asch-Sonderbuch wurde jetzt der Öffentlichkeit im Sonderbucher Dorfgemeinschaftshaus vorgestellt. Landesarchivar Bertram Fink vom Landeskirchlichen Archiv leistete Hilfestellung und erläuterte die Aufgaben eines Archivs. Das Ehepaar Walz sichtete und ordnete Archivalien wie Kirchenbücher, Registraturen, Pfarrberichte, Statistiken oder Abkündbücher, und erfasste diese in einer Datenbank. Daraus entstand ein Inventar oder Verzeichnis, ein sogenanntes Findbuch, mit dessen Hilfe sich jeder Interessierte nun in den historischen Quellen zurecht finden kann.

Die ältesten Quellen im Pfarrarchiv stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, kurz nachdem Asch evangelisch geworden war. Das pensionierte Lehrerehepaar stieß in den Ascher Kirchenbücher auf interessante Zeugnisse der Vergangenheit. So konnte Peter Walz etwa von den Kirchenkonventen berichten, deren Sitzungen genauestens protokolliert sind. Die Protokolle aus Asch sind ab dem Jahr 1653 rund 250 Jahre lang dokumentiert. "Sie sind eine Fundgrube für das damalige Gemeindeleben", sagte Peter Walz. Einmal im Monat trafen sich Pfarrer, Schultheiß sowie zwei Beisitzer um zu tagen. In den Kirchenkonventen ging es um Vergehen wie Versäumnisse beim Gottesdienst oder Abendmahl, Sonntagsentheiligung, Unzucht, Hurerei, Sauferei, Völlerei, Kartenspiel, uneheliche Schwangerschaften, Ehebruch, Wahrsagerei, Zauberei, Tanz, Streitigkeiten zwischen Eheleuten oder Nachbarn, jedoch auch um das Armenwesen oder die Sozialfürsorge.
Geld- oder kurze Freiheitsstrafen konnten verhängt werden. "In den Protokollen steht viel drin. Es wurde die christliche Zucht und Ordnung angestrebt", berichtete Walz. "Aber nur für die einfache Bevölkerung. Die Fürsten trieben es oft ganz grauenhaft." Etwa dreißig Prozent der Kinder kamen unehelich zur Welt. Jede der jungen Mütter wurde dazu vom Kirchenkonvent befragt. "Stellen Sie sich vor, da steht eine junge Mutter der geballten Macht von vier Männern gegenüber und muss mit ihnen über Dinge sprechen, über die sonst nie gesprochen wurde", gab Peter Walz zu bedenken.
Als Beispiel zitierte er den Fall eines schwangeren Mädchens, das am 29. September 1799 vor den Konvent zitiert wurde. Der Dialog ist wörtlich festgehalten. Die Männer fragten die junge Frau, ob sie schwanger sei. Ja, sie könne es unschwer leugnen, antwortete die Frau. Wo er zu ihr gekommen sei? Sie nennt ein bestimmtes Waldstück. An welchem Tag, es gewesen sei? Am Pfingstmontag. Wie lange es her sei? 21 Wochen. Ob er sich dazu bekenne? Ja. Ob er ihr die Ehe versprochen habe? Ja. Ob sie schon einmal des Lasters der Hurerei angeklagt gewesen sei? - So geht es in einem fort, die finanziellen Verhältnisse kommen zur Sprache. Am Ende folgt die Unterschrift der Verhörten.
Ein anderes trauriges Beispiel aus dem Sozialbereich, über das der Kirchenkonvent zu urteilen hatte, ist die Geschichte des Johannes Hausmann. Pfarrer Schott schreibt, der 67-Jährige und seine Frau Anna, 63 Jahre alt "haben kein Haus, kein Gütlein, kein Vermögen, kein Leibgeding und halten sich daher im Armenhaus auf. Der Mann hatte vor sieben Jahren das Unglück, durch den Einsturz einer Mauer auf dem Rußenschloss und vor drei Jahren durch den Fall von einem Giebel einer neu aufgerichteten Scheune so übel zugerichtet zu werden, dass er fast nicht mehr verdienen kann." Es folgt der für Unterhaltsleistungen wichtige Zusatz: "Nährten sich immer redlich" und die Unterschriften derer, die es bezeugten - Pfarrer Schott an erster Stelle.
Solche und ähnliche Schicksale eröffneten sich Ehepaar Walz bei der Arbeit mit dem Archiv. Elfriede Walz berichtete bewegend über den schon oben genannten Pfarrer und Magister Christian Eberhard Schott, der über 50 Jahre lang Pfarrer in Asch war. Es waren unsichere und stürmische Zeiten um das Jahr 1800, als Pfarrer Schott in Asch seinen Dienst tat und Frankreich mit Österreich im Krieg lag. Napoleons Truppen sowie die Horden der Kaiserlichen aus Österreich bedrohten Leib und Leben und zogen plündernd und brandschatzend durchs Land. Die Albgemeinden um Asch traf es hart.
In Briefen an seine geflüchtete Frau Beate berichtet Pfarrer Schott Einzelheiten, eine längst vergangene Zeit mit ihren alltäglichen Schrecken wird lebendig. Am 26. Mai 1800 schreibt er: "Herrn Pfarrer von Berghülen habe ich vorige Woche nur auf eine halbe Stunde besucht. Er ist von den Franzosen entsetzlich mit Säbeln und Flintenkolben geschlagen worden. Er hat einen sehr gefährlichen Anfall bekommen, und ich glaube nicht, dass er noch lange leben wird." Im nächsten Brief berichtet Schott, dass der Pfarrer verstorben sei und hatte "bis zu seiner Auflösung unbeschreibliche Schmerzen zu erdulden".

Ehepaar Walz entdeckte Abschriften dieser Briefe, die Originale sind verschollen. "Wir konnten die Archivalien einfach nicht optimal bei uns lagern", sagte Ortspfarrerin Stefanie Klitzner zur Abgabe des Materials nach Stuttgart. Dort kann es für die Gemeinde sachgerecht gelagert werden, wird teilweise mikroverfilmt und verbleibt im Eigentum der Gemeinde. Für Nutzungen wird es bereitgestellt. "Die Archivalien sind das Gedächtnis der einzelnen Kirchengemeinden und der Landeskirche und deshalb sehr wertvoll", sagte Bertram Fink. Die Besucher wurden ermuntert einen Ausflug in die Ascher Kirchengeschichte zu unternehmen. "Sie haben ja jetzt ein Kursbuch dafür", sagte Pfarrerin Klitzner.

Artikel, Blaumännle Margot Authenried-Kronenthaler



 

 
 
 
 

Jahreslosung 2012

Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig! 2. Kor 12,9